01/06/2012

Italie - Tyrol du Sud / Commémorations de la lutte contre Napoléon, l'envahisseur

 Südtirol und Napoleon

 

 

Sterzing hatte nicht nur im Koalitionskrieg 1797 Tote zu beklagen, die Stadt und seine Umgebung waren auch 1809, dem Jahr der Tiroler Erhebung, immer wieder Schauplatz verschiedener Gefechte. Ried wurde von den Franzosen in Schutt und Asche gelegt.

von Alexander Messner

Der erste Koalitionskrieg

Mit dem Eindringen der napoleonischen Truppen in Oberitalien wurde Sterzing - wenn auch nur indirekt - im Jahr 1796 in den ersten Koalitionskrieg (1792 - 1797) involviert. Es wurden nämlich mehrere Schützenkompanien aus dem Landgericht Sterzing zum Wachdienst in das Gebiet des Tonalepasses, nach Fiera di Primiero, ins Fleimstal und in das südliche Etschtal einberufen. Auch an den südlichen Grenzen Tirols versahen vier große Kompanien mit fast 800 Mann den Wachdienst, in das Kampfgeschehen mussten sie jedoch nie eingreifen. Zudem wurden Schützen der Bergknappenkompanie vom Schneeberg zur Anlegung von Verschanzungen herangezogen, wie etwa in Pozza di Fassa, am Wormserjoch im Vinschgau, bei Martinsbruck am Kuntersweg und auch in Mittewald.
Am 20. März 1797 geriet die Sterzinger Kompanie unter der Führung von Hauptmann Peter Paul von Klebelsberg bei Ceola im heutigen Trentino in ein Gefecht, in dem sie sich der französischen Übermacht ergeben mussten. Die Kompanie hatte zwölf Tote zu beklagen, 32 weitere Schützen verstarben in französischer Gefangenschaft. Auch an der berühmten Schlacht von Spinges am 2. April 1797 beteiligten sich Abordnungen aus dem Sterzinger Landgericht mit 182 Mann.
In diesen zwei Jahren, in denen Sterzing in den ersten Koalitionskrieg - dieser wurde am 17. Oktober 1797 mit dem Friedensvertrag von Campoformio beendet - involviert war, zählte das Stadt- und Landgericht 55 Gefallene, zudem zahlreiche Verletzte und Gefangene, wofür drei große und zehn kleine Landschaftliche Ehrenmedaillen verliehen wurden. Zum Dank für die tapfere Haltung der Sterzinger durften zwei Studenten aus Sterzing und Ratschings an der Universität Innsbruck unentgeltlich zum Doktor der Medizin promovieren.

Der zweite Koalitionskrieg

Am zweiten Koalitionskrieg (1798 - 1801/02) war Sterzing nicht direkt beteiligt. Allerdings war die Bevölkerung dazu verpflichtet, bei den zahlreich stattfindenden Truppendurchmärschen für die Verköstigung der Soldaten aufzukommen.

Der dritte Koalitionskrieg


Während des dritten Koalitionskrieges 1805/06 übernahm der erst 23-jährige Erzherzog Johann das Oberkommando über die Verteidigungskräfte Tirols. Aufgrund der strategischen Bedeutung Sterzings und des südlichen Wipptales ließ er dort Lebensmittelmagazine errichten und Reservetruppen anlegen, um den Feind aufzuhalten. Sein Plan sah vor, dass die regulären Truppen frontal angreifen sollten, während das Volksaufgebot von den Höhen herab in die Flanken und in den Rücken des Feindes einfallen sollten.
Der Feind brach in das Land herein, doch Erzherzog Johann erhielt den Befehl, Tirol aufzugeben. Sofort eilte eine Abordnung aus Sterzing nach Innsbruck, um ihn davon abzuhalten. Er hielt sich im November 1805 zwar noch für einige Tage in Sterzing auf, verließ dann aber das Land, was ihn sehr schmerzte.
Anfang November wurde die Festung Scharnitz an der Tiroler Nordgrenze erobert, daraufhin zog sich das österreichische Militär kampflos aus Tirol zurück. Im Frieden von Pressburg vom 26. Dezember 1805 wurden Tirol und die Vorlande (Vorarlberg) nicht der unmittelbaren Verwaltung Frankreichs unterstellt, sondern zu Bayern geschlagen, das ein Bündnis mit Napoleon eingegangen war.

Tirols Erhebung 1809


Am 9. April 1809 erfolgte Österreichs Kriegserklärung an Frankreich. In Lienz stand ein französisches Truppencorps mit 10.000 Mann bereit. Als Mitglied des Rheinbundes musste Bayern Napoleon eine Truppe von 30.000 Mann stellen, um den Tiroler Volksaufstand niederzuschlagen. Auch Tirol war gerüstet: Den feindlichen Truppen gegenüber standen das leichte Infanterie-Bataillon Bärenklau im Unterinntal von Wörgl bis Hall (800 Mann), das Bataillon Treuberg in Kitzbühel und St. Johann (300 Mann), das elfte Regiment und die Tiroler Jäger in Innsbruck (1.325 Mann) sowie die beiden Bataillone Werden und Donnersberg um Sterzing und Bozen mit zerstreuten Abteilungen in Bruneck und an der Mühlbacher Klause (1.705 Mann).

Gefecht im Sterzinger Moos

Die ersten bedeutenden Kämpfe spielten sich bereits am 11. April 1809 im Sterzinger Moos und rund um die Stadt Sterzing ab, bei denen sich zwei bayerische Infanterie-Kompanien ergeben mussten. Nachdem der Landsturm bereits aufgeboten war, wartete alles auf einen erneuten Befehl für den Angriff. Zudem glaubte man, dass die österreichischen kaiserlichen Truppen über das Pustertal im Anmarsch seien.
Inzwischen marschierte der Sandwirt Andreas Hofer mit seinen Passeirern über den Jaufen und traf auf den Sterzinger Mooswiesen auf eine versprengte, 350 Mann starke bayerische Truppe, die sich dort mit zwei Kanonen im Karree aufgestellt hatte. Hofer wartete ab und ließ seinen Landsturm in Gasteig übernachten, was die Stimmung der Schützen deutlich hob. Als ein des Weges kommender Geistlicher sie fragte: „Wohin des Weges?", soll ein gewisser Johann Wieser aus St. Leonhard die launige Antwort gegeben haben: „Af die Spielhuhnjogd!". Die Nachricht vom Eintreffen des Passeirer Landsturms in Gasteig verbreitete sich in Sterzing wie ein Lauffeuer. Dies veranlasste den Landrichter Regulati, der aus Bayern stammte, sogleich zwei Kapuziner ins Schützenlager nach Gasteig zu schicken, um sie zur Umkehr zu bewegen. Hofer ließ jedoch von seinem Entschluss nicht ab: Noch in derselben Nacht ordnete er in den umliegenden Dörfern Sturmläuten an, so dass sich seine Truppe rasch vergrößerte. Am 11. April 1809, frühmorgens um vier Uhr, zog die mit Gewehren, Heugabeln, Knüppeln, Morgensternen und Sensen bewaffnete Bauernschar von Gasteig gegen Sterzing, um den Bayern in den Rücken zu fallen.

Ein Häuserkampf beginnt


An der Nordseite der Stadt gegen Maibad hin, außerhalb des heute nicht mehr erhaltenen Brennertores, waren mehrere Soldaten der bayerischen Garnison postiert. Auch oberhalb des Wirtshauses „zur Krone" schritt ein bayerischer Wachposten auf und ab. Ein gewisser Jakob Radl von der Messerschmiede ob der Blättermühle bei Gossensaß sagte zu seinen Kameraden: „Sobald der Posten sich umdraht, noar schieß i ihn nieder!" Und schon streckte ein Schuss den Soldat nieder, was umgehend eine Garnisonsalarmierung auslöste. Auch etwa 15 bayerische Soldaten, die sich im Färberhaus aufhielten, wurden von den Schützen beschossen, woraufhin diese ihre Gewehre wegwarfen und sich ergeben wollten. Dessen ungeachtet feuerten die Schützen weiter auf sie, so dass den Soldaten nichts anderes übrig blieb, als wieder zu den Waffen zu greifen und das Feuer zu erwidern.
Als eine weitere bayerische Abteilung nachrückte, begann der Kampf nun auf mehreren Seiten. Immer neue, mit allerlei Waffen ausgerüstete Sturmscharen rückten - von den Sturmglocken gerufen - herbei. Inzwischen ließ der bayerische Major Speicher seine Garnison auf dem Stadtplatz sammeln. Diese Räumung des oberen Stadtteiles ermutigte die Tiroler Schützen zum Angriff. Mehrere von ihnen wurden dabei verwundet, so etwa der 55-jährige Johann Weger aus Untertelfes, der einen Schuss in den Unterarm und zwei Bajonettstiche in die Bauchgegend erlitt, so dass er sechs Tage später verstarb. Einem anderen, ebenfalls aus Telfes, wurde der Hut durchschossen und in der St. Margarethenkirche flogen während der Frühmesse die Gewehrkugeln an den Köpfen der Kirchgänger vorbei - verletzt wurde wie durch ein Wunder niemand, lediglich das rechte Seitenaltarbild mit der Darstellung des hl. Josef wurde beschädigt.
Die Bayern erkannten die verzweifelte Lage und Major Speicher rückte langsam durch die Neustadt bis zum südlichen Stadtende und weiter bis ins Sterzinger Moos hinaus. Der Tiroler Landsturm rückte nach und setzte sich an den südlichsten Häusern, wie etwa der Deutschordenskommende, bei den Fischerhäusern und den Pechhütten, fest. In der Predigt der Frühmesse mahnte Hochwürden Michael Schaiter: „Was habt ihr da angefangen? Wenn einer getroffen wird, kann er nicht absolviert werden!" Darauf erwiderten die anwesenden Schützen, dass Andreas Hofer beim Kronenwirt sei und den kaiserlichen Aufruf in Händen halte. Und Schaiter erwiderte: „Ja so, dann stehen die Sachen anders!"

Grausame Übergriffe

Einige der Tiroler Landschützen sollen sich bei den Kämpfen in Sterzing als besonders roh und grausam hervorgetan haben. Einer Überlieferung zufolge etwa soll ein bayerischer Soldat, der oberhalb des Stadtturmes die Lage ausspionierte, von einer Kugel verwundet worden sein; der Schütze, ein Müllerknecht aus Ried, soll über den schlecht gesetzten Schuss dermaßen erzürnt gewesen sein, dass er den um Gnade flehenden Soldat eigenhändig erschlagen hat. Gegen sechs Uhr morgens zogen die restlichen Bayern unter ständigem Beschuss durch die Stadt hinab bis zum Kreuzkirchl. Dort stoppten sie ihren Rückzug kurz und feuerten drei Kartätschensalven gegen die nachrückenden Schützen. Doch sie konnten die Stellung nicht lange halten und mussten sich ins Sterzinger Moos zurückziehen, wo sich bereits andere bayerische Soldaten verschanzt hatten. Von dort aus bereiteten sie den Schützen arge Schwierigkeiten; den ganzen Vormittag über beschossen sie sich, ohne irgendeinen Fortschritt zu erreichen. Dabei wurde auch das Kreuzkirchl beschädigt und dem 23-jährigen Mesnersohn Stefan Rainer aus Jaufental riss eine Kanonenkugel die Schulter weg.
Unterdessen rieten einige Tiroler Anführer zum Sturmangriff, während andere die Kanonen in Schach halten sollten - doch einige der Anführer hielten sich lieber im Wirtshaus auf. Für die Landesverteidiger hielt Hochwürden Graber im Kreuzkirchl eine Messe und erteilte ihnen auf ihr Verlangen die Generalabsolution. Der Tiroler Landsturm wollte den Bayern durch verschiedene Einschüchterungsversuche zuvorkommen. So wurde der Landrichter Regulati zum bayerischen Major Speicher geschickt, um ihn zur Aufgabe zu bewegen. Doch dieser ließ ihnen ausrichten: „Ich erwarte in einigen Stunden das Bataillon Wrede und einige tausend Franzosen, und sodann werden wir der Bauernschar schon den Kopf zurechtrichten." Daraufhin wurde Regulati von verärgerten Landschützen schändlich misshandelt, bis ein gewisser Josef Klauzner Mitleid mit ihm hatte und ihn in Sicherheit brachte.

Drei tapfere Mädchen

Inzwischen war es Mittag geworden und die Schützen hatten immer noch keine nennenswerten Erfolge erzielt. Deshalb wurde beraten, wie man die bayerischen Kanonen zum Schweigen bringen könne. Der Schreiber von Andreas Hofer soll dabei die zündende Idee gehabt haben: Drei mit Heu beladene Karren, die dem Schlüsselwirt Anton Larch gehörten und für Brixen bestimmt waren, sollten einigen bewaffneten Schützen als Deckung dienen. Wer sollte nun aber die Heuwagen vor den Feind ziehen? Keiner der sonst so tapferen Schützen und Bauern sprang in die Bresche. Da stellten sich die drei Mädchen Elisabeth Gogl aus Tschöfs, die Schneidertochter Anna Zoder aus Sterzing und die Schmiedtochter Maria Hofer aus Mauls uneigennützig zur Verfügung. Es gelang ihnen, die in den Heuwagen versteckten Schützen so weit nach vorne zu ziehen, dass die Bedienungsmannschaft des bayerischen Geschützes außer Gefecht gesetzt werden konnte. Als drei Offiziere tödlich verwundet wurden, wurde auch die von Andreas Hofer mehrmals angebotene Kapitulation angenommen. Die Gefangenen wurden nach Mareit gebracht und im Schloss Wolfsthurn eingesperrt. Hofers Schreiber Ennemoser, der als Kommandant nach Mareit geschickt wurde, ließ sie dort verpflegen und übergab sie am Morgen des 13. April einem österreichischen Offizier, der sie über das Pustertal nach Ungarn überstellte.

Franzosen auf dem Vormarsch

Wie ein Blitz schlug in Sterzing jedoch die Nachricht ein, dass in Brixen einige hundert Franzosen eingetroffen seien. Allgemeine Verwirrung machte sich breit, denn viele der Verteidiger waren bereits nach Hause gegangen oder hielten sich im Gasthaus auf. Wieder läuteten die Sturmglocken, ansonsten herrschte Totenstille, die Gassen waren menschenleer. Noch am selben Abend gegen 17 Uhr marschierte der französische Generalleutnant Bisson mit einer 1.800 Mann starken Truppe von Italien kommend in Sterzing ein. Die Avantgarde lagerte zwischen dem Mühlbach und der Landstraße. Noch bevor die Franzosen in die Stadt eindrangen, mussten sie beim Sprechensteinkofel einen unfreiwilligen Aufenthalt hinnehmen. Dort waren nämlich auf dem Felsen fünf Landschützen ohne Deckung postiert, die einen Soldaten und sein Pferd mit ihren Kugeln niederstreckten. Der Feind konnte sich in Sicherheit bringen, einige Soldaten bestiegen ungesehen auf der Südseite den Felsen - unten auf der Landstraße war niemand mehr zu sehen. Da sagte derselbe Jakob Radl, der in der Stadt einen bayerischen Soldaten so kaltblütig erschlagen hatte: „Kemmen thut niemand, i geah oi und rab den Toatn aus." Als er sein Vorhaben auch in die Tat umsetzen wollte, kamen flugs mehrere französische Reiter herbei und schlugen ihn mit ihren Säbeln in Stücke. Nach einer Aussage seines Neffen soll ihm auch die Zunge durchschossen worden sein, was als Gottesurteil angesehen wurde. Von den restlichen Schützen konnten zwei flüchten, einer wurde schwer verwundet, ein weiterer wurde getötet - vermutlich handelte es sich dabei Johann Bauer, Lodenfabrikant und Ausschussmitglied des Stadtrates von Sterzing. Beim Einmarsch in die Stadt ritten Reiter voraus, den Säbel im Mund und in jeder Hand eine Pistole. Die Bewohner zweier Stadthäuser erdreisteten sich, von ihren Fenstern aus dem Treiben in der Stadt zuzuschauen, doch sogleich feuerten die Reiter auf die Fenster. Auch die Frau des bayerischen Magazinverwalters Liborius Kühnel flüchtete mit ihren Kindern, nur das nötigste Bettzeug konnte sie mitnehmen. Im nahe gelegenen Deutschordenshaus brachte sie der dortige Verwalter Helf im Kinderzimmer unter. Dort hatte sich unter der Bettstatt aber bereits der Landstürmer Josef Untersteiner versteckt. Als die Feinde das Haus durchsuchten, kamen sie auch in das Zimmer der Frau, die mit ihren Kindern auf dem Bett saß. Einer der Soldaten erkannte sie sogleich, weshalb von einer weiteren Durchsuchung abgesehen wurde. Untersteiner wurde später zum Kammerdiener von Erzherzog Johann, den er zeitlebens begleitete. Außerhalb der Stadt wurde der Taglöhner Josef Silbernagl von mehreren Kugeln tödlich getroffen, am Anstieg neben der Färberei am Brennertor wurde Jakob Häusler erschossen.

Sterzing wird geplündert

Generalleutnant Bisson bezog im Haus des ehemaligen Richters Latzi Quartier, das neben dem Lager seiner Truppen lag. Nun mussten vordergründig Lebensmittel besorgt werden. Der Chronist Ignaz Hochrainer schrieb dazu: „In angstvoller Erwartung blieb ich mit meinen Geschwistern immer zu Hause und bewunderte den Großmut der ersten französischen Soldaten, die in unser Haus eintraten und Brot verlangten, das sie auch bezahlen wollten." In der folgenden Nacht traf das Bataillon Wrede mit etwa 1.200 bayerischen Soldaten in Sterzing ein, nachdem es auf dem Marsch von Tiroler Schützen dauernd in Kampfhandlungen verwickelt worden war und gar einige Soldaten verloren hatte. Um für diese Schande Rache zu nehmen, sollte Sterzing sofort geplündert und eingeäschert werden. Obwohl General Bisson diese Vergeltungsschläge ausdrücklich verbot, wurden Fenster und Türen eingeschlagen sowie Geschäfte beschädigt; einige Personen, die Widerstand leisteten, wurden kurzerhand erschossen.
In der Stadt befanden sich nun rund 3.000 feindliche Soldaten. Am 12. April zog Bisson weiter Richtung Norden, zu seiner Sicherheit nahm er sechs Geiseln aus Sterzing mit. Eine von ihnen - der Sterzinger Gerichtsschreiber Wallnöfer - wurde nach einem Fluchtversuch in der Nähe des Brennersees erschossen.
In der Nacht vom 14. auf den 15. April erreichte auch Feldmarschall Marquis de Chasteller mit zwei Bataillonen und einem Eskardon von 100 Reitern von Süden kommend die Stadt. Chasteller lud Andreas Hofer an seine Tafel und ehrte ihn mit anerkennenden Worten für seinen ruhmreichen Einsatz.
Danach kehrte in Sterzing wieder Ruhe ein. Die Kampfhandlungen verschoben sich in der Zwischenzeit nach Innsbruck auf den Bergisel, wo eine Schützenkompanie an der Schlacht vom 25. und 29. Mai teilnahm.

Ermutigung zum Kampf

Doch als am 1. August Andreas Hofer beim Simelehof in Sterzing mit seinen Vertrauten zum Kriegsrat zusammentraf, war es mit der Ruhe vorbei. Die tapferen Landesverteidiger zogen sich auf die umliegenden Berghänge zurück. Die Franzosen erlaubten sich in Sterzing gar einige Plünderungen und misshandelten zudem wehrlose Personen, anschließend zogen sie nach Innsbruck weiter. Der bayerische Oberstleutnant Wrede schloss sich mit dem Rest seiner Truppe dieser Kolonne an.
Die Invasion der Arco'schen Truppen über das Achental bewirkte, dass viele Hauptmänner ihre Schützen nach Hause schickten. Auch Josef Speckbacher verabschiedete sich von seiner Familie in Hall und ritt nach Matrei, um sich den Flüchtenden anzuschließen. Bei Bruneck begegnete ihnen Andreas Hofer, der Speckbacher sogleich an seinem Bauernrock erkannte. Vorwurfsvoll rief Hofer ihm zu: „Seppl, auch du willst mi im Stich lassen, sie führen di der Schande zu!" Sogleich sprang Speckbacher vom Wagen, schwang sich mit seinem Stutzen auf das Pferd und kehrte gemeinsam mit Hofer nach Sterzing zurück. In Schabs, wo sie eine Rast einlegten, erfuhren sie, dass der „Mordbrenner" Lefebvre mit 24.000 Mann im Norden bereits bis Innsbruck vorgerückt sei. Die große Zahl der feindlichen Soldaten ließen Hofer nachdenklich werden, doch in Sterzing traf er sich mit den Schützenhauptmänner, um einen Verteidigungsplan auszuarbeiten. Anschließend ritt er über den Jaufen, um auch die Schützen seines Heimattales zu mobilisieren. Speckbacher hingegen ermutigte die Brixner Landsleute zum Kampf. Unterdessen war das französisch-bayerische Heer unter Marschall Lefebvre im Unterinntal einmarschiert. Die Avantgarde war bereits am 30. Juli in Innsbruck feierlich eingezogen, dieser folgten nach dem Arco'schen Truppen auch das Oberdorf'sche Korps und die Division Deroi. Während noch im Mai das Tiroler Volk mit einem Schreckenssystem unterworfen werden sollte (etwa durch die Brandschatzung von Schwaz), herrschten dieses Mal unter den Heereseinheiten strengere Sitten.

Sterzing, das „Spottstadtl"


Die Tage im Hochsommer des Jahres 1809 wurden wieder stürmisch in und um Sterzing. Andreas Hofer und sein Getreuer Josef Speckbacher zogen in der Nacht vom 31. Juli nach Sterzing. Wortgewaltig konnte Hofer bei Mauls die abziehenden Taxis'schen Soldaten zum Bleiben bewegen. Anschließend bezog er sein Quartier bei Franz Wild im Moarhof in der Vill (heute Simmelehof), da in der Stadt große Unruhe herrschte. Bald hieß es, der Landsturm sei aufgeboten, dann wieder nicht, und die Franzosen unter Lefebvre seien schon über den Brenner marschiert. Unter den Bürgern machte sich große Unsicherheit breit. Doch der Sandwirt ärgerte sich über den Kleinmut der Bürger sehr. Als er aufgefordert wurde, nach Sterzing zu gehen, lehnte er es ab, dieses „Spottstadtl" aufzusuchen. Die Sterzinger Bürger befürchteten aber, dass bei einem ungünstigen Ausgang der Kämpfe das Schicksal von Schwaz sich hier wiederholen könnte - Schwaz war nämlich am 15. Mai auf Befehl Lefebvres abgefackelt worden. Hofer, der mit seinen Freunden - Schwager Gufler (Steinhauser), den Hauptleuten Thalguter, Hatzl, Stebele und Anton Wild, dem Sohn des Gastgebers - Kriegsrat in der Vill hielt, beschloss, Sterzing und seine Umgebung aus den Händen der Feinde zu befreien. Laufzettel, mit denen der Landsturm zu den Waffen gerufen wurde, wurden in allen Tälern verteilt. Lefebvre, der am 30. Juli in Innsbruck einmarschiert war, wollte unverzüglich eine Verbindung im Süden mit dem aus dem Pustertal und von Trient vorrückenden Trupen herstellen. Diesen Befehl befolgend, zog General Rouyer nach Süden. Bereits am 2. August gegen 16 Uhr erreichte er Sterzing, ohne auf großen Widerstand zu treffen. Hofer zog sich kurz vor dem Eintreffen der feindlichen Truppen gegen den Jaufen hin zurück, ließ aber von kleineren Attacken nicht ab. So ließ er etwa die Bachschleusen öffnen, wodurch das feindliche Lager unter Wasser gesetzt wurde. Daraufhin drohte Rouyer, die Stadt zu brandschatzen. Am 4. August ließ der General seine sächsische Vortruppe von Sterzing gegen Brixen marschieren, aber schon in Grasstein stießen sie auf heftigsten Widerstand. Es kam zu einem dreitägigen blutigen Ringen, das mit einem überwältigenden Sieg der Tiroler Schützen endete, woran heute noch die Bezeichnung „Sachsenklemme" erinnert.

Unterried wird eingeäschert


Lefebvre, der am 5. August mit rund 7.000 Mann über den Brenner marschierte, stieß kurz vor Sterzing in den Engen bei Ried auf massiven Widerstand von Josef Speckbacher und seinen Schützen, die auf die heranmarschierenden Kolonnen einschossen. In der Folge wurde das Dorf Unterried in Schutt und Asche gelegt. Davon zeugt ein Eintrag in das Sterbebuch der Pfarrei Ried vom 6. August 1809: „Maria Kantioler. Verbrunnen da vom Feind das ganze Unterried in Brand gesteckt worden, und sein da selber zuvor wegen Schlagflus betlegerig war, nicht mehr konnte fortgebracht werden doch war sie zuvor mit den h. h. Sakrament versehen." Über die furchtlosen und braven Sachsen verlor der Franzose Lefebvre kein gutes Wort. Er soll sie dazu aufgefordert haben, für den Abzug über den Brenner wenigstens die Straße zu sichern, denn mit diesem Bauernpöbel wolle er sich nicht lange schlagen. Zur Sicherung des feindlichen Abmarsches sollten Geiseln aus Sterzing mitgenommen werden. Eine der Geiseln war Ignaz Hochrainer, der darüber berichtete: „Den 5. August wurde Anstallt gemacht, auch Sterzing zu räumen, und sich nach Inspruck zurückzuziehen, es wurden daher Nachmittags nachstehende Geiseln aufgehoben, um selbe mitnehmen zu könen, nämlich : ich, ein Kapuziner und der Bürgermeister Neumann, ich wurde nämlich gegen 2 Uhr Nachmittag von einem französischen Offizier mit 4 Mann bayrische Wache von Hause mit dieser Anrede abgeholt: Du bist angeklagt ein Freund des Sandwirthes zu seyn, weil selber bei dir immer seine Einkehre nahm, wenn du dich dagegen nicht verteidigen kanst, so wirst du morgen aufgehängten. Zugleich erhielt ich die Weisung, etwas von Lebensmitteln mit mir zu nehmen, woraus ich sattsam schlissen konnte daß in der Nacht der gänzliche Abzug bestimmt sey; ich bath die Wache mich zum französischen Offiziers (welcher auch nachhing den Corporal der Wache deßhalben wacker ausfilzte) geschach. Ich sprach zum General: Excellenz! Ich bin von den gegenwärtigen Wache von Hause abgeholt worden, man beschuldigt mich ein Freund des Sandwirths zuseyn, weil selber bey uns im Quartier war; Excellenz! Unser Haus ist ein öffentliches Wirthshaus, wo jeder Gast freyen Zutritt hat, ich bin ein ruhiger Bürgerssohn, der niemals ein Gewehr in die Hand genommen hat (ich habe eine alte Mutter, dessen Stütze ich bin), die ganze Stadt wird mir Zeugniß geben müssen. Geduld, mein Freund erwiderte er (mit freundschaftlicher Miene) es soll Ihnen nichts Leids widerfahren, dazu verpfände ich Ihnen meine Ehre; ich lase Sie nur verwahren um einen Unterpfand für die Bauern zu haben, welche auch viele Ofizire gefangen in ihren Händen haben: seyn sie ohne Kummer, sie sollen in unseren Händen gut behandelt werden. Ich empfahl mich nun seiner Gnade, und die Wache führte mich auf der Strasse nach dem Stockhaus, welches gleich beym untern Thor gegen Brixen war."
Doch Rouyers Abmarsch wurde abgeblasen, denn auch Lefebvre konnte keinen Durchbruch gegen Süden hin erreichen, vielmehr wurde er im Talkessel von Sterzing eingeschlossen. Nur mit dem Aufgebot der Artillerie konnte er sich die Tiroler vom Leib halten. Die Lage Lefebvres wurde von Stunde zu Stunde gefährlicher, die Bauern hingegen wurden immer mutiger, stand ihnen doch nach dem Viehabtrieb von den Hochalmen Valleming, Schönspitze und Stilferjoch genügend Proviant zur Verfügung. Deshalb vereinbarte Lefebvre mit Aukenthaler, dem Abgesandten Hofers, einen Waffenstillstand, den er zur Vorbereitung des Rückzuges nutzte. In der Nacht des 10. August verließ Lefebvre mit seinen Truppen Sterzing in Richtung Innsbruck. Aufgrund der andauernden feindlichen Besetzung und auch aufgrund des Einzuges der siegreichen Schützen wurden die Lebensmittelvorräte so knapp, dass bei der eigenen Bevölkerung äußerste Not herrschte. Als Andreas Hofer nach der dritten glorreichen Befreiung die Regentschaft des Landes übernommen hatte, wurde auch die Notlage in Sterzing gelindert.

Letzte Niederlage am Bergisel


Nun kamen für die Stadt ruhigere Tage, allerdings herrschte noch Ungewissheit über das weitere Schicksal Tirols. Am 14. Oktober wurde in Schönbrunn ein Friedensabkommen zwischen Kaiser Franz I. und Napoleon abgeschlossen, in dem Tirol preisgegeben wurde. Als am 1. November von den Tirolern schließlich die letzte Bergisel-Schlacht verloren wurde, wurde Sterzing zum Schauplatz eines tragischen Ausklanges der Volkserhebung. Die endgültige Friedensbotschaft erreichte Hofer in Schönberg. Am 2. November verfasste er in Matrei seine schriftliche Unterwerfung, die er von einer eigenen Abordnung, der Priester Daney und Major Sieberer angehörten, dem Vizekönig Eugen Beauharnais überbringen lassen wollte. Aber schon am 4. November wurde Hofer am Brenner wieder umgestimmt, und schon tags darauf widerrief er von Sterzing aus seine Entscheidung. Daney und Sieberer fanden bei ihrer Ankunft in Sterzing am 8. November einen völlig veränderten Oberkommandanten vor. Doch durch Daneys Überredungsgunst konnte Hofer am 9. November zur Unterzeichnung eines Aufrufs, der seine endgültige Unterwerfung und die Niederlegung seines Kommandos beinhaltete, veranlasst werden. Anschließend verließ Andreas Hofer als „gewöster Oberkommedant von Dirol" Sterzing, um zum letzten Mal über den Jaufen nach Hause zurückzukehren.

20:25 Écrit par Johan Viroux | Lien permanent | Commentaires (0) |  Facebook |

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